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Pathologische Blutstillung Koagulation ohne Bremse oder ohne Start

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Unter Hämostase versteht man den Prozess der Blutstillung durch die Bildung eines Blutplättchenpfropfens und eines Fibringerinnsels, der streng kontrolliert wird, um sowohl Blutungen als auch pathologische Thrombosen zu vermeiden. Die Gerinnungskaskade ist ein enzymatisches Verstärkungsnetzwerk: Jeder Faktor aktiviert mehrere Moleküle des nächsten, mit positiver Rückkopplung (Thrombin aktiviert die Faktoren VIII und V), die durch natürliche Inhibitoren (AT-III, TFPI, Protein C) verlangsamt wird.

Das endogene Thrombinpotential (ETP, Fläche unter der Thrombinerzeugungskurve) synthetisiert den globalen Gerinnungszustand: Erhöhtes ETP weist auf Hyperkoagulabilität hin (Thrombophilie, Antiphospholipid-Syndrom, Krebs); Reduzierter ETP weist auf Hypokoagulabilität hin (Hämophilie, Antikoagulanzienbehandlung). Hemkers kinetisches Modell quantifiziert die drei Phasen: Initiation (Lag-Phase, 05 Min.), Amplifikation (Thrombin-Peak, 510 Min.) und Beendigung (Hemmung, > 10 Min.).

Die Virchow-Trias (Stase, Hyperkoagulabilität, Endothelschädigung) ist das pathophysiologische Modell der tiefen Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (PTE). Fogelsons Modell beschreibt die Thrombusausbreitung als ein Advektions-Diffusions-Reaktionsproblem: Blutplättchen werden durch Fluss (u) und Diffusion (D_plaq) in Richtung der Adhäsionszone transportiert, wo sie an subendotheliales Kollagen binden. Ein geringer Fluss (Stase: Re < 100) begünstigt die Anreicherung aktivierter Gerinnungsfaktoren.

Die Fibrinolyse (Auflösung des Blutgerinnsels) wird durch Plasmin vermittelt, das Fibrin spaltet. t-PA (Gewebe-Plasminogen-Aktivator, verwendet bei der Behandlung von Schlaganfall und AMI) wandelt Plasminogen mit einer Kinetik erster Ordnung in Plasmin um: Die Gerinnsellyse dauert bei therapeutischen Dosen von t-PA t½ 1030 Minuten, aber das Blutungsrisiko steigt mit der Dosis.

Die orale Antikoagulation (Warfarin) wird mit dem INR überwacht: INR = (TP_pac/TP_norm)^ISI, wobei der ISI vom verwendeten Reagenz abhängt. Der therapeutische Bereich (INR 23 für Vorhofflimmern oder TVT) sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen antithrombotischer Wirksamkeit und Blutungsrisiko. Die neuen direkten oralen Antikoagulanzien (DOACs) hemmen direkt Faktor Xa (Rivaroxaban) oder Thrombin (Dabigatran) mit einer vorhersehbareren Wirkung und ohne die Notwendigkeit einer routinemäßigen Überwachung.

>Modell

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gphysics.net - Dr. Willy H. Gerber
Palos Verdes, Costa de Corral, Chile