E5 Bewegungsbereich
Thema
Der Bewegungsumfang eines Gelenks hängt von drei physikalischen Faktoren ab: den viskoelastischen Eigenschaften des umgebenden Weichgewebes, der Knochengeometrie der Gelenkflächen und der passiven Muskelspannung der das Gelenk überspannenden Muskeln.
Der erste Faktor sind die viskoelastischen Eigenschaften des Weichgewebes: Gelenkkapsel, Bänder und Haut dehnen sich bis zu einem gewissen Punkt und bieten dann zunehmenden Widerstand. Je steifer oder unelastischer dieses Weichgewebe ist, desto schneller wird dieser Widerstand erreicht und desto geringer ist der verfügbare Bewegungsumfang.
Der zweite Faktor ist die Knochengeometrie: Die Form der Knochenflächen im Gelenk bestimmt rein mechanisch, wie weit sie sich relativ zueinander bewegen können, bevor sie kollidieren. Diese Kollision begrenzt den Bewegungsumfang unabhängig von der Elastizität des umgebenden Weichgewebes.
Der dritte Faktor ist die passive Muskelspannung: Ein Muskel, der ein Gelenk überspannt, bietet auch im nicht-aktiven Zustand einen Widerstand gegen die Dehnung. Dieser Widerstand nimmt mit zunehmender Gelenklänge zu. Je kürzer oder weniger dehnbar der Muskel im Ruhezustand ist, desto schneller begrenzt diese passive Muskelspannung den Bewegungsumfang des Gelenks.
Die viskoelastischen Eigenschaften des Weichgewebes, die Knochengeometrie und die passive Muskelspannung bestimmen gemeinsam den passiven Bewegungsumfang: den Bewegungsumfang des Gelenks, der erreicht wird, wenn eine äußere Kraft das Gelenk bewegt, ohne dass sich der Muskel selbst kontrahiert. Der aktive Bewegungsumfang wird hingegen zusätzlich durch die Kraftentwicklungsfähigkeit des Muskels begrenzt: Obwohl Gewebe und Knochengeometrie einen größeren Bewegungsumfang ermöglichen würden, kann sich der aktive Muskel nur so weit bewegen, wie es seine eigene Kraftentwicklungsfähigkeit zulässt.
Durch die Unterscheidung zwischen passivem und aktivem Bewegungsumfang stellt der Gelenkbewegungsumfang das Modell dar, das die Gewebemechanik mit der Gelenkfunktion verknüpft: Die Differenz zwischen den beiden Werten zeigt, ob ein Bewegungsdefizit auf die Gewebe- und Knochengeometrie oder auf die Fähigkeit des Muskels zurückzuführen ist, die Kraft zu erzeugen, die erforderlich ist, um denselben Winkel zu erreichen.
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