Distanz und Tiefe
Storyboard
Das Schätzen von Entfernung und Tiefe ist für die Navigation, das Fangen von Beute und das Vermeiden von Hindernissen von entscheidender Bedeutung. Die verfügbaren physikalischen Mechanismen sind: Flugzeit (aktiv, Echoortung), binokulare Disparität (passiv, stereoskopisches Sehen), Bewegungsparallaxe (passiv, optischer Fluss), Texturgradient (passiv, monokulares Signal) und Unschärfe.
Die Echoortung (ToF) ist die genaueste Methode im Nahbereich: Die Entfernungsauflösung d = c_s·t/2 hängt von der zeitlichen Auflösung t ab. Fledermäuse mit 1-ms-Impulsen haben d 17 cm; Delfine mit 50 s Pulsen haben d 3,75 cm. Die Sonargleichung (RL = SL - 2·TL + TS) bestimmt die maximale Erfassungsreichweite.
Bei der binokularen Disparität wird der Abstand zwischen den beiden Augen ausgenutzt (Grundlinie b). Für ein Objekt im Abstand d ist die Disparität disp = f·b/d: Nahe Objekte haben eine größere Disparität. Die Stereopsisschärfe _stereo d²·_ang/(f·b) zeigt, dass die Genauigkeit mit d² abnimmt: Stereopsis ist beim Menschen bis zu ~10 m nützlich (b = 6,5 cm, _ang 20 Bogensekunden).
Die Bewegungsparallaxe ist der primäre Tiefenhinweis bei monokularen Tieren (viele Vögel und Insekten). Nähere Objekte erzeugen eine größere optische Geschwindigkeit v_opt = v_self/d auf der Netzhaut. Bienen und Heuschrecken nutzen aktiv Kopfbewegungen, um diese Parallaxe zu erzeugen und Entfernungen abzuschätzen.
Unschärfe ist ein monokulares Entfernungssignal: Die Fotorezeption von unscharfen Objekten erzeugt einen Verwirrungskreis c_blur, der proportional zur Entfernung vom Brennpunkt ist. Tiere mit sehr asphärischen Pupillen (Tintenfische, Fangschreckenkrebse) nutzen aktiv die spektrale Unschärfe (chromatische Aberration), um Entfernungen abzuschätzen, ohne dass eine Bewegung erforderlich ist.
ID:('ky', 581)
Palos Verdes, Costa de Corral, Chile
